Jeunesses Musicales
Landesverband
Mecklenburg - Vorpommern e.V.

 





Konzert- und Bildungsreise der Preisträger

Wien, Prag, Görlitz und Berlin

6. Oktober - 10. Oktober 2008



Direkt im Anschluss an das diesjährige Festival "Verfemte Musik" fand in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung in Mecklenburg-Vorpommern und dem Konservatorium Schwerin eine Konzert- und Bildungsreise der Preisträger des Wettbewerbs statt. Diese führte die jungen Musiker vom 6. bis zum 10. Oktober zu Konzerten nach Wien, Prag, Görlitz und Berlin, wo sie jweils ihr Wettbewerbsrepertoire vorstellten. Auch  Besuche der Gedenkstätten in Theresienstadt und Berlin standen auf dem Programm. Auf dieser Reise wurden sie von Teilnehmern des Schülerprojektes „Künstler im Exil“ und weiteren Kooperationspartnern begleitet.


Nachdem am Sonntag, den 5. Oktober, die Preisverleihung für die Gewinner des Wettbewerbs „Verfemte Musik 2008“ stattgefunden hatte, traf man sich am Folgetag, um den Bus in Richtung Wien zu besteigen. Dort angekommen, stieß Walter Arlen, der in Wien aufgewachsen war und der auch schon in Schwerin als Jury-Vorsitzender und Zeitzeuge regen Anteil am Wettbewerbsgeschehen genommen hatte, zur Gruppe.


Walter Arlen

Da bis zum Konzert am Abend noch Zeit war, wurde ein interessantes Tagesprogramm organisiert: Zunächst ging es zur Walter Arlen-Piazza. Dort erinnern Kunst-Litfaßsäulen an den antisemitischen Massenwahn, den auch eben jenen selbst erlebt hat. Sehr persönlich berichtete der rechtmäßige Erbe des ehemaligen Warenhauses Dichter über die damaligen Vorgänge und das Schicksal seiner Familie, die erst enteignet wurde und dann emigrieren musste.


Allgemein erwies sich Walter Arlen als äußerst kompetenter „Fremdenführer“ durch Wien. Es war beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit und Gewandtheit sich dieser 88-Jährige sich in seiner alten Heimatstadt zurechtfand und nie um interessante Anekdoten und historische Fakten zu gewissen Orten und Sehenswürdigkeiten verlegen war.


Nach einem Besuch im Doblinger-Musikverlag fand am Abend denn das gut besuchte Preisträger-Konzert im Jüdischen Museum der Stadt Wien statt.


Am Folgetag, den 8. Oktober 2008, reiste die Gruppe dann früh morgens nach Prag weiter. Dort angekommen, ergab sich für die Nicht-Musiker erst einmal die Gelegenheit zu einem Sightseeing, während sich die Preisträger direkt zur Deutschen Schule Prag begaben, um dort zu proben. Die Aufführung ihres Wettbewerbrepertoires am Abend geriet zum vollen Erfolg. Großen Anteil daran hatten auch die Prager Gastgeber, die dem Konzert ein sehr schönes Ambiente gaben und viel zur gemütlich-festlichen Atmosphäre beitrugen. Der mexikanische Botschafter in Prag, Antonio Lòpez Rios, nahm mit seiner Familie auch an dem Konzert teil. Im Nachgang der Veranstaltung entwickelten sich noch intensive und fruchtbare Gespräche.


Theresienstadt

Am nächsten Tag ging es weiter in Richtung Görlitz. Jedoch ließ man die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen, den Bildungsauftrag der Reise mit einem Besuch der Gedenkstätte Theresienstadt zu unterstreichen. Dort wartete schon Eva Herrmannová auf die Teilnehmer, die sie schon zum Großteil während des gerade beendeten Festivals „Verfemte Musik 2008“ kennengelernt hatte. Sie, die das Ghetto Theresienstadt überlebt hatte, konnte nun aus erster Hand von ihren Erinnerungen erzählen und so wurde der Rundgang durch das ehemalige Ghetto zu etwas ganz Besonderem. Unter anderem besichtigte die Gruppe auch die Magdeburger Kaserne, wo 1943 die Kinderoper „Brundibár“ erstmals aufgeführt wurde. Besonders beeindruckend war auch ein Raum, der original so eingerichtet worden war, wie zur damaligen Zeit. Viele Überlebende hatten dafür Ausstellungsstücke gespendet, unter ihnen auch Frau Eva Herrmannová selbst.


Im Anschluss ging es dann direkt nach Görlitz, wo am Abend im Theater Oberlausitz/Niederschlesien GmbH wiederum Aufführungen des Wettbewerbrepertoires durch die Preisträger stattfinden sollten. Auch dieses Konzert geriet zum vollen Erfolg. Seinen Anteil an der wunderschönen Atmosphäre im Saal hatte auch Walter Arlen, der zum Anfang der Veranstaltung auf die Bühne kam und von dort aus dem zahlreich versammelten Publikum in einer kurzen Rede seine Eindrücke der vergangen Tage rekapitulierte.


Der letzte Tag der Konzert- und Bildungsreise für unsere Preisträger brachte ein Konzert in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in den Ministergärten Berlin mit sich. Doch zunächst stand ein wenig Freizeit auf dem Programm. Diese wurde sinnvoll genutzt, so besuchten eine Reihe von Teilnehmern das Deutsche Holocaust-Museum in Berlin.


Die Aufführung selbst in dem mit über 300 Besuchern restlos gefüllten Festsaal und der einhergehende Empfang wurden dann zum würdigen und krönenden Abschluss der Konzerttournee. Noch einmal erklangen die besten Stücke aus dem Wettbewerbsrepertoire der Preisträger, bevor die Konzert- und Bildungsreise offiziell seinen Abschluss fand.


So wurde nicht nur für Walter Arlen diese Reise zum „Höhepunkt des ganzen Wettbewerbs“. Und weiter schrieb er in seinem Bericht zum Wettbewerb „Verfemte Musik“2008 und zur anschließenden Konzerttournee:


„Man kann nur hoffen, dass die erstklassigen Aufführungen der jungen Musiker dazu beigetragen haben, den Werken der ermordeten Komponisten neues Leben zu verschaffen.

Ironie des Schicksals, oder schicksalsvoller Blick in die Zukunft?

Heute sind diese Fragen besser als die Antworten. Morgen wird man mehr wissen.

Eines ist sicher: Das Festival Verfemte Musik 2008 leistete einen bemerkenswerten Beitrag zur Bereinigung der Geschichte Deutschlands.“


Jeunesses Musicales Landesverband Mecklenburg Vorpommern - Puschkinstr. 13 -19055 Schwerin