Jeunesses Musicales
Landesverband
Mecklenburg - Vorpommern e.V.

 





"Verfemte Musik" 2004 in Schwerin

Sachbericht zum 3. bundesweiten und 1. internationalen Wettbewerb „Verfemte Musik" unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Deutschen Bundestages Wolfgang Thierse


Musikstudenten aus Italien, Tschechien, Polen, Israel, Lettland, Japan, Deutschland und 6 weiteren Ländern nahmen vom 22. bis 26. September 2004 am Projekt „Verfemte Musik" in Schwerin teil, das auch in diesem Jahr wieder unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, stand. Im Rahmen dieses Projektes wurde der 3. bundesweite Instrumental- und Gesangswettbewerb „Verfemte Musik" erstmals international ausgetragen, begleitet von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Ausstellungen, Gesprächen, Konzerten und einem Themenabend zu Charlie Chaplins Der große Diktator. Im Anschluss an den Wettbewerb nahmen Preisträger und interessierte Schweriner an einer Konzert- und Bildungsreise nach Wien, Prag und Brünn teil. Das umfangreiche Dokumentationsmaterial belegt die Ausstrahlung des Projektes weit über die Landesgrenzen hinaus.

 

Für die internationalen jungen Teilnehmer aus 13 Ländern stand neben dem Wettbewerb vor allem die Begegnung mit Zeitzeugen des Holocaust, mit Michael Chaplin, dem Sohn des berühmten Filmemachers, und mit Dr. Gottfried Wagner, Urenkel des Komponisten und kritischer Begleiter der Bayreuther Familiengeschichte, im Vordergrund. Erstmals gestalteten Mitglieder dieser berühmten Familien gemeinsam einen Themenabend zu Chaplins meisterhafter Auseinandersetzung mit dem deutschen Nationalsozialismus, bei dem neben Vorträgen und einer musikalischen Uraufführung der Film Der große Diktator im Original vorgeführt wurde.

 

 

 

 

Dr. Gottfried Wagner 

Szene aus "Der große Diktator" 

Michael Chaplin 

 

Eine ähnliche deutschlandweite Premiere bildete ein Konzertabend, der ausschließlich der Musik und dem Schicksal des italienischen Komponisten Aldo Finzi gewidmet war. Der Sohn des Komponisten, Bruno Finzi, reiste aus Mailand an, um von seinem Vater und von antisemitischer Verfolgung in Italien zu berichten.

 

Acht Überlebende aus Israel, Tschechien, Österreich und den USA, die gemeinsam im Mädchenheim im Konzentrationslager Theresienstadt lebten, waren in Schwerin zu Gast, um die Ausstellung „Die Mädchen von Zimmer 28 - Freundschaft, Hoffnung und Überleben in Theresienstadt" der Berliner Autorin Hannelore Brenner-Wonschick zu eröffnen. Diese Ausstellung wurde eigens für Schwerin erarbeitet und stand im Mittelpunkt mehrerer Begegnungsveranstaltungen zwischen den Zeitzeuginnen und Schülern aus Westmecklenburg. Zusammen mit Schülern des Konservatoriums Schwerin gestalteten die Zeitzeuginnen unter der Moderation des Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater Frankfurt am Main, Thomas Rietschel, eine „Hommage an Brundibar" anlässlich des 61 Jahrestages der Premiere von Hans Krásas Kinderoper in Theresienstadt.

 

Für die drei Jurys des Wettbewerbes konnten neben erfahrenen Pädagogen und Künstlern drei Zeitzeugen mit langjährigen künstlerischen Karrieren gewonnen werden: aus Israel reiste die 91jährige Pianistin Edith Kraus an und übernahm den Ehrenvorsitz in der Jury der Klavierwertungen. Prof. Anna Hanusová-Flachová aus Brünn übernahm den Vorsitz der Wettbewerbsjury Gesang, der Bratscher Prof. Franz Beyer den Vorsitz der Wettbewerbsjury Kammermusik.

 

Weitere Gäste waren neben anderen der Präsident des Deutschen Musikrates e.V., Martin Maria Krüger, der Präsident der emcy (European Music Competitions for Youth), Hans Peter Pairott, Dr. Albrecht Dümling, Musikwissenschaftler aus Berlin, dessen Ausstellung „'Entartete Musik' - eine kommentierte Rekonstruktion" im Konzertfoyer des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin gezeigt wurde, Andrea Talmelli, Direktor des Istituto Musicale „Achille Peri" aus Reggio Emilia sowie der Dirigent Amaury du Closel aus Paris.

 

Viele Partner - Stiftungen, Unternehmen, Vereine, die Landeshauptstadt Schwerin und das Land Mecklenburg-Vorpommern - haben dazu beigetragen, das Projekt zu einem Erfolg zu machen. Das Anliegen der drei Projektorganisatoren Volker Ahmels, Ulrike Stern und Ute Lemm, Komponisten und Musiker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten leiden mussten, wurde mit dem diesjährigen Projekt einmal mehr verwirklicht. Die Vielfältigkeit der Veranstaltungen hat es ermöglicht, ein breites Publikum anzusprechen, Interesse für die Thematik zu wecken und die Wahrnehmung zu schärfen. Der persönliche Kontakt mit den Zeitzeugen ist nicht hoch genug einzuschätzen. Die starken und nachhaltigen Eindrücke werden alle Beteiligten noch lange begleiten.

 

Im Jahr 2006 wird das Projekt „Verfemte Musik" deshalb erneut veranstaltet. Das Interesse an weiteren Projekten bei den Teilnehmern ist groß und die diesjährigen positiven Erfahrungen mit den Partnern und Förderern erwecken die Hoffnung auf eine weitere gute Zusammenarbeit und eine wachsende Offenheit im Umgang mit dieser Thematik.

 

 

Foto oberere Zeile: Prof. Anna Hanusová-Flachová

Foto untere Zeile: Prof. Edith Kraus


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