Jeunesses Musicales
Landesverband
Mecklenburg - Vorpommern e.V.

 





Erinnerung an Theresienstadt-

„Zukunft gemeinsam gestalten"

05.05. - 09.05. 2005 in Israel und Mecklenburg- Vorpommern


Das geplante Projekt hatte den konkreten Bezug zum 60. Jahrestag des Kriegsendes durch die Aufführung von Musikwerken von durch die Nationalsozialisten ermordeten und verfolgten Komponisten und die Würdigung von überlebenden Interpreten, die eng mit den Komponisten zusammengearbeitet haben. Darüber hinaus wurde in weiteren multimedialen Veranstaltungen und Konzerten künstlerisch und historisch die Zeit des Nationalsozialismus reflektiert.

 

Schüler und Studenten aus Mecklenburg-Vorpommern, die beim Wettbewerb „Verfemte Musik 2004" in Schwerin teilgenommen haben und Preisträger wurden, waren aktiv beteiligt. In Israel und anschließend in Nachfolgeveranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern hatten die jungen Musiker Begegnungen mit Zeitzeugen des Holocaust und mit jungen Israelis. In Anschlussveranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern berichteten die Teilnehmer von diesen Begegnungen und führten Musikwerke von verfemten Komponisten auf.

 

Darüber hinaus wurden in weiteren multimedialen Veranstaltungen und Konzerten künstlerisch und historisch die Zeit des Nationalsozialismus reflektiert. Durch die Teilnahme des Nachfahren der Komponisten Richard Wagner und Franz Liszt, Herrn Dr. Gottfried Wagner, wurde in besonderer Weise die aktuelle Problematik zur Diskussion um die Thematik „Wagner und Israel" mit einbezogen. Die Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern wurden hierbei themenorientiert mit gesonderten Aufgaben durch die Projektleitung beauftragt. Durch weitere Gespräche zwischen Studenten, interessierten Bürgern aus Israel und Überlebenden des Holocaust wurde somit differenziert Musikgeschichte im historisch-politischen Kontext aufgearbeitet.

 

Das Besondere an diesem Projekt war die Verknüpfung von Konzerten und Begegnungen von jungen Musikern in Elternheimen. Diese konzeptionelle Idee wurde durch Friederike Haufe und Volker Ahmels erstmals im Jahr 1997 entwickelt und durchgeführt.

 

Bei der diesjährigen Konzeption hatten junge Menschen die Möglichkeit durch die Aufführung von Musik in Kontakt zu alten Menschen zu treten, die häufig selbst deutschstämmig sind und aufgrund ihres Alters nicht mehr am aktiven Konzertleben teilnehmen können. Gerade in diesen Begegnungen ist einerseits der Versöhnungsaspekt wichtig, andererseits können junge Menschen authentisch individuelle Schicksale von Überlebenden des Holocaust erfahren und nachvollziehen. Die klassische - romantische Musik in diesem Projektbereich fungierte hierbei als Kommunikator und schaffte die Nähe zwischen den unterschiedlichen Generationen.


Die Konzert- und Vortragsveranstaltungen waren in Jerusalem, Tel Aviv und Sde Boker  in Kooperation mit Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste und anderen Partnern. Elternheime in  Tel Aviv und Ramat Gan waren ebenfalls Partner. Der Besuch der Gedenk- und Bildungsstätte Beit Theresienstadt (Kibbutz Givat Chaim Ichud) und Yad Vashem sind außerdem Bestandteil des Projekts.

 

Durch dieses Projekt wird in besonderer Weise ein innovativer Ansatz der politischen Bildungsarbeit geleistet. Die Durchführung dieser Projektidee im Hinblick auf die Intensität künstlerischer, historischer und politischer Auseinandersetzung im Zusammenhang mit der Begegnung von Zeitzeugen setzt eine lange Beschäftigung mit der Thematik für gerade junge Menschen voraus.



Reisetagebuch

05.05.2005

Erster Besuch der Gedenkstätte Beit Theresienstadt am Yom Ha Shoah. Die erste Veranstaltung war bereits überraschender Weise eine der wichtigsten Veranstaltungen der Reise. Überlebende des Holocaust wurden geladen, um diesen wichtigsten Gedenktag der Israelis gemeinsam zu verbringen. Viele alte Menschen sind bisher einsam zu Hause gewesen. Durch die Organisation von Beit Theresienstadt wurden Gesprächsgruppen gebildet, bei denen jeder seine Geschichte erzählen durfte. Gerade die Einbeziehung unserer Gruppe führte zu einem sehr dynamischen Prozess.

 

06.05.2005

Der Besuch der neu gestalteten Gedenkstätte Yad Vashem war für die Gruppe ein wichtiger punkt zum Verstehen des Holocaust. Es fand eine Führung eines Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste statt. Der nachmittags folgende Workshop wurde zu einem besonderer Begegnung der in Israel lebenden Freiwilligen mit unserer Gruppe. Anhand der Lebensgeschichte von Gottfried Wagner, Nachfahre der Komponisten Wagner und Liszt entstand eine inhaltsreiche Diskussion mit Deutschen und Israelis unter Einbeziehung der Vergleiche eigener Erfahrungen aus Familiengeschichte. Der Abend wurde gemeinsam mit den Teilnehmern der Gruppe, Dr. Wagner und den Freiwilligen gestaltet.

 


07.05.2005

Tagsüber Besuch der biblischen Orte in der Stadt Jerusalem.Masterclass mit Edith Kraus, geboren 1913, Meisterschülerin des Pianisten Artur Schnabel. herausragende tschechische und später israelische Pianistin, wirkte in mehr als 300 Konzerten im Konzentrationslager Theresienstadt mit. Die Musiker hatten Gelegenheit, ihr vorbereitetes Repertoire vorzuspielen.

 

Das multimediales Konzert und Vortrag im Beit Pax Jerusalem, aufgeführt durch Friederike Haufe, Volker Ahmels und Dr. Wagner war dann der erste künstlerische Höhepunkt des Projekts. Durch die einfühlsame Einführung von Herrn Dr. Wagner wurde dem Konzertpublikum der Zusammenhang zwischen der Entwicklung in Bayreuth in Bezug auf die Situation der Häftlinge in Theresienstadt und Auschwitz dargestellt. Das Publikum bestand aus Überlebenden des Holocaust, den Teilnehmern von Aktion Sühnezeichen und der Pianistin Edith Kraus. Auch waren Repräsentanten der Deutschen Botschaft zugegen.

 

08.05.2005

Der 2. Besuch in Beit Theresienstadt beinhaltete weitere Gespräche mit Zeitzeugen  und einem Konzert der Studenten für israelische Schulkinder. Wahrscheinlich war es die erste Begenung mit klassischer musik der israelischen Kinder, die etwas überrascht von den Werken reagierten. Später wurde durch die Betreuer der Gruppe großer Dank für diese Begegnung ausgesprochen.

 

Die Abendveranstaltung war das Konzert der Studenten mit Begegnungen im Österreichischen Elternheim in Ramat Gan. Die Lebensgeschichten der Heimbewohner waren für alle Projektbeteiligten sehr beeindrucken. Teilweise waren die alten Mensche zwischen 90 und 100 Jahren alt. Ein Ergebnis war die Anregung der Teilnehmer, selbst in Deutschland oder in ihrer Heimat solche Konzerte freiwillig zu geben. Die Resonanz war hervorragend.

 


09.05.2005

Ein weiteres Konzert der Studenten fand in der Musik und Kunstschule Aluf Sade statt. Hier sieht der Projektleiter auch Entwicklungsmöglichkeiten für zukünftige Projekte. Verbunden mit einem weiteren Vortrag durch Dr. Wagner war das Auditorium sehr gut besucht. Kritische Nachfragen und eine lebendige Diskussion mit Israelis dauerten länger als geplant.

 

Die Gruppe teilte sich dann. Während das Konzert von Dr. Wagner, Frau Haufe und Herrn Ahmels in der Negev-Wüste in Sde Boker in einem privaten Rahmen sehr erfolgreich wiederholt wurde, konnten die jungen Studenten ihr Konzert in Tel-Aviv in einem weiteren Elternheim aufführen.

 


Jeunesses Musicales Landesverband Mecklenburg Vorpommern - Puschkinstr. 13 -19055 Schwerin