Jeunesses Musicales
Landesverband
Mecklenburg - Vorpommern e.V.

 





Prag 2006

Konzert- und Bildungsreise 

02.10. - 05.10.2006 


Preisträger des Wettbewerbs "Verfemte Musik"2006, Teilnehmer des Schülerprojektes "izzy Fuhrmann" und Miglieder des Rotary Clubs Schwerin.

 


Besuch der Gedenkstätte Theresienstadt

Theresienstadt wurde Ende des 18. Jahrhunderts als eine Festungsanlage von Kaiser Joseph II. erbaut. Sie gliedert sich in zwei Teile: die„Garnisonsstadt" und die „Kleine Festung". Nach der Besetzung Böhmens und Mährens machten die Nationalsozialisten aus Theresienstadt ein Konzentrationslager: 1940 wurde in der „Kleinen Festung" ein Gestapo-Gefängnis eingerichtet, im November 1941 entstand in der „Garnisonsstadt" ein Sammel- und Durchgangslager für die jüdische Bevölkerung Böhmens und Mährens.

 

Nach der Wannsee-Konferenz wurden seit 1942 in das Lager auch alte und prominente Juden aus Deutschland und anderen europäischen Ländern deportiert. In der Propaganda der Nationalsozialisten wurde daraufhin Theresienstadt zum „Altersghetto" und für eine kurze Zeit zur „jüdischen Mustersiedlung".

 

Drei Aufgaben erfüllte das Konzentrationslager: Es war Transitlager, es diente der Vernichtung von Menschen und - zeitweilig - der Propaganda. Die Gesamtzahl der Männer, Frauen und Kinder, die in das Theresienstädter Ghetto deportiert wurden, betrug bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges etwa 140.000. Während der letzten Kriegstage trafen noch einmal 13.000 weitere Gefangene ein, die aus liquidierten Konzentrationslagern in Deutschland und Polen nach Theresienstadt verfrachtet worden waren.

 

Ein Viertel der Gefangenen des Ghettos Theresienstadt (etwa 33.000) starben dort vor allem wegen der entsetzlichen Lebensumstände. Etwa 88.000 Häftlinge wurden nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager wie Treblinka, Majdanek oder Sobibor deportiert. Davon überlebten nur ca. 4.000 Menschen den Krieg. Unter den Toten waren auch mehrere Tausend Kinder.

 

Bild links oben: Die Zeitzeugin Eva Herrmannová, als Kind im Ghetto Theresienstadt inhaftiert, führte die Gruppe durch die Gedenkstätte und erzählte anhand ihrer Geschichte, die Geschichte des Ghettos.

Bild links Mitte: Auf dem Dachboden der Magdeburger Kaserne in Theresienstadt.  An dieser Stelle wurde die Kinderoper Brundibar erstmals aufgeführt. Die Preisträger des Wettbewerbs hatten die Möglichkeit an dieser historischen Stätte ihr Wettbewerbs-repertoire auszugsweise zu spielen.

Bild links unten: Die Teilnehmer beim Rundgang durch das Ghetto.



Besuch des Jüdischen Viertels

 

Geht man vom Altstädter Ring an der St. Niklaskirche in die ul. Parizska, kommt man zum Jüdischen Viertel. Juden gelangten mit der ersten Besiedlung nach Prag. Nach dem Aufruf von 1095 durch Papst Urban II zum Kreuzzug bauten die Juden in Prag eine ummauerte Stadt.

 

Zum Jüdischen Viertel (Josefov) gehören die Alte Synagoge (es ist die älteste Synagoge Europas!), ein Museum, Geschäfte und ein jüdischer Friedhof mit ca. 150.000 Gräbern - in 1.000 Jahren wurden hier über 200.000 Juden begraben. Zum Viertel gehört auch das einzige jüdische Rathaus außerhalb von Israel (mit einer Uhr, die die MEZ und die hebräische Zeit anzeigt). Ein Besuch lohnt sich besonders am Samstag (Sabbat). Wenn gegen 12:00 Uhr der Gottesdienst in der Alten Synagoge beendet ist, herrscht ein reges Treiben im Jüdischen Viertel. Die hier zahlreich vorhandenen jüdischen Geschäfte sind dann allerdings geschlossen.



Prager Nightlife

Karlovy láznì sind mit ihren fünf Musikclubs in fünf Etagen die größte Einrichtung ihrer Art in Mitteleuropa. Sie sind auch wegen ihres originellen Charakters einzigartig, den das erhaltene historische Interieur des Gebäudes prägt, welches an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert errichtet wurde. Die ursprüngliche Mosaikverkleidung der Gänge und Wände, die Mosaikbilder in den Hauptsälen und die zum Teil erhaltene alte Badeausrüstung sowie die Becken im Stil römischer Bäder, die heute ohne Wasser in zwei Etagen des Clubs als Tanzparkett dienen, schaffen zusammen mit der modernen Ausstattung und der Musik eine quasi unnachahmbare Atmosphäre, dank derer Karlovy láznì zum meistbesuchten Tanzclub in der Tschechischen Republik wurde.

 

Ende der 90-iger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der Gedanke geboren, das heruntergekommene Objekt, das nur 100 Meter von der Karlsbrücke entfernt steht, zu rekonstruieren und in seinen Räumen einen Musikclub zu gründen. Seine ersten Besucher begrüßte er am 1.12.1999.

 

Jede Etage der Karlovy láznì stellt einen eigenständigen Club dar, der einem spezifischen Musikstil gewidmet ist. Im Erdgeschoss befindet sich das Music Café, das der Black Music gehört. Die erste Etage ist das Paradies für alle Liebhaber der Discomusik. Das Kaleidoskop begeistert mit seiner Programmausrichtung jeden Fan der unsterblichen Hits aus den 60-iger bis 80-iger Jahren.

 

Der Klub Paradogs ist für die Freunde sämtlicher Tanzrichtungen bestimmt. Die letzte Etage gehört der ruhigen und Relaxmusik. Chill out ist ein idealer Platz für Momente der Erholung nach einem Besuch der unteren vier Etagen.

 

Karlovy láznì ist der einzige Musikclub in der Republik, der dauernd einen Dreifarbenlaser installiert hat. Alle Etagen sind mit EAW-Lautsprechern ausgerüstet. Die Fachzeitschrift MONDO hat Karlovy láznì in die Reihe der technisch am besten ausgerüsteten Clubs in Europa aufgenommen.

 

 


Statements der Teilnehmer

v.l.n.r. Sylvi Alm, Carolin Leu, Wiebke Hose und Clemens Reich

 

Sylvi Alm Für mich war der Besuch in Theresienstadt besonders durch die lebendigen Erzählungen von Eva Hermannova ergreifend. Mit ihr zusammen sind wir Orte abgeschritten, die sie als 15/16-jährige als Schreckensorte erlebte und durch ihre Schilderungen war das Leid vorstellbarer und fassbarer für uns.

 

Carolin Leu / Nora Wendland Es war eine aufregende Reise. Wir haben in wenigen Tagen Prag und Theresienstadt gesehen und mit den Künstlern des Wettbewerbs „Verfemte Musik" Jugendliche aus mehreren Nationen hautnah kennengelernt. Prag ist für unsere Altersgruppe überhaupt eine tolle Stadt, eine Weltstadt eben, die auch nachts noch voller Leben steckt.

 

Wiebke Hose Mir hat der Rundgang durch das jüdische Viertel gut gefallen. In manchen Gassen fühlte man sich in das Mittelalter zurückversetzt. Und dicht an dicht die Synagogen zu finden und anschauen zu können, war schon ungewöhnlich. Schließlich existieren in Deutschland nur noch sehr wenige. Und der Blick über die nächtliche Moldau, die von zahlreichen hell erleuchteten Brücken überquert wird, ist einzigartig.

 

Clemens Reich Wir hatten abwechselungsreiche Tage. Da ich selbst Musik mache, waren für mich auch die Konzerte sehr interessant, die die Preisträger gegeben haben. Das Anliegen, die Musik einst verfolgter und nun oft vergessener Künstler wieder ins Leben zu holen, beeindruckt mich.

 

Peter Grambow Zusammen mit den Preisträgern erlebten wir interessante und eindrucksvolle Tage. Prag war faszinierend, Theresienstadt beeindruckend und bewegend, die Konzerte eine neue Erfahrung. Außerdem bietet Prag auch viel Spaß und Leben.

 


Jeunesses Musicales Landesverband Mecklenburg Vorpommern - Puschkinstr. 13 -19055 Schwerin